Die Männer, die heute jenseits der 40 sind, waren meist noch als Wehrdienstleistende beim Bund und kennen daher noch EPA. Die damals verfluchte Einpersonenpackung bzw. Einmannpackung mit einem Warenwert von etwa etwa 8.-€ (wenn man die Einzelteile bei einem Lebensmittel-Discounter selbst zusammenstellt und in einen Schuhkarton packt).
Heute werden diese auch massiv überteuert in diversen BW-, Outdoor- und Prepper-Shops verkauft. Dort erzielen Sie meist Verkaufspreise um/jenseits 20.-€ .
Dies zeigt, man kann dem Volk alles verkaufen.
Sogar überteuert, unnötig oder fehlerhaft.
Und was früher verflucht war, ist heute hip. Und umgekehrt.
Aber was ist denn jetzt diese(s) neue ePA?
Das ist die elektronsiche Patientenakte, die man uns jetzt an allen Ecken unterjubeln will.
So wie damals die Hartkekse aus dem EPA im Essen untergemischt wurden, wenn Sie kurz vor dem Ablauf standen. NUR, dass es jetzt drauf steht bzw. man uns darüber in Kenntnis setzt.
Jeder sollte in den letzten Wochen einen Brief seiner Krankenversicherung erhalten haben, dass ab diesem Jahr die ePA kommt. Was eigentlich schon nicht ganz richtig ist. Die ist schon seit 2020 da, aber wird nun richtig scharf. So wie Uschi in der Schule damals auch erst nach der Pubertät richtig scharf wurde. Oder die DSGVO, die schon zwei Jahre vor dem Mai 2018 da war, aber deren Übergangszeit dann geendet hat.
Was die ePA bringt (oder bringen soll) klingt ja auch erstmal recht gut. Alle Befunde, Medikamentierungen etc. „immer dabei“. So weiß der Notarzt gleich anhand meiner Krankenkarte, welche Medikamente ich nehme und welche ich nicht vertrage. Oder auch, welche von meinen sich nicht mit seinen vertragen.
Welche Krankeiten habe ich außer meinem übernatürlich großen Ego und wie waren meine letzten Blutwerte. Klingt doch super, wenn man das alle dabei hat. Beim Facharzt-Termin in der Kardiologie ist „Oh, ich nehm da was vom Hausarzt, aber den Namen kann ich mir nicht merken“ oder „Ja, Colesterin hab ich, aber ich weiß nicht wie viel“ die falsche Antwort. Da hätten Sie sich die 6-12 Monate Wartezeit auf den Termin sparen können.
Im Prinzip echt toll. Wie damals bei der Bundeswehr.
Nein, ich fang nicht wieder mit den EPA an, sondern mit der G-Akte. Damals hat man eine Papierakte wie beim heutigen Hausarzt gehabt. Und auch wenn man Max Müller hieß, war eine Verwechselung eigentlich nicht möglich. Au jedem Dokument darin stand die individuelle Personenkennziffer drauf. Diese hat einen von der Musterung bis zur Ausmusterugn udn darüber hinaus begleitet. Wurde man ins Krankenhaus eingeliefert oder an einen anderen Standort versetzt, wanderte die Akte immer mit. So konnte dann der Augenarzt am Bundeswehrkrankenhaus Ulm nachlesen, dass Sie vor 2 Jahren eine Hodenprellung beim Sex erlitten hatten, aber Ihre Testikel weiter sauber Spermien produzieren. Auch Ihre Musterungsdaten waren kein Geheimnis. Selbst 10 Jahre später. Aber immerhin ließ sich diese G-Akte nicht hacken. Die lag (zumindest in meiner Zeit) noch in Papierform in der G-Kartei. Die ePA hingegen liegt zentral und ist von überall ohne Ihr persönliches Zutun erreichbar. Und das hat der ChaosComputerClub nun auch wieder bewiesen.
Was uns vom Betreiber-Unternehmen als sicher verkauft wird, ist weit weg von der digitalen Sicherheit, die uns „versichert“ wird. rein theoretisch sind alle Akten für Unberechtigte erreichbar weil schon das System an sich Mägel hat.
Wenn dann noch die IT der Arztpraxis durch den Nachbarn, der sich ja mit Computer auskennt weil er auch einen hat gewartet wird und/oder günstige Hardware vom Chinesen-Discounter verbaut wird, ist der erste Schritt getan. Dann könnte auch gleich der gute Marc Zuckerberg von Facebook die Akten verwalten. Ihrem Arzt wird der letzte Laborbefund dann passend mit einem Werbeblock passender Medikamente präsentiert.
Aber egal. Wir geben eh bei Facebook mehr preis, als sinnvoll, da ist die Krankenakte dann nur noch ein Kleines. Würde man bei jeder psychologischne Begutachtung auch das Facebook-Profil heranziehen, wäre sicher jetzt schon der eine oder andere in der geschlossenen Psychatrie und nicht in Führungsposition.
Ich habe mich hingegen schon lange von Facebook etwas zurückgezogen und mache das jetzt im wahren Leben.
Ich laufe durch die Straße und rufe, was ich gerade gegessen habe, mache oder einfach gut finde. Und zeig jedem süße Fotos meiner Haustiere. Mit einem Psychater und einem Polizisten hinter mir hab ich auch schon zwei Follower.
Ich will niemandem die ePA ausreden.
Im Gegenteil.
Ich selbst finde Sie eine tolle Idee und sicherlich kann man damit Doppeluntersuchungen, Fehl-Medikamentierungen und anderes vermeiden, aber eventuell sollte man für solch komplexe und sensible Systeme auch die Leute fragen, die sich damit auskennen.
Der CCC hat schon mehrfach bewiesen, dass „sichere Systeme“ doch ehr noch ein Albtraum sind und eine Nachbesserung benötigen. Die kritisierten Betreiber gaben dies aber immer nur schrittweise zu. Warten wir einmal ab, wann das erste Datenleck bekannt wird und jeder die Krampfader-Dokumentation von Oma Meiers Beinen mit der Straßenkarte von BIelefeld vergleichen kann. Ichwürde vermutlich keinen Unterschied sehen.
Wer sich selbst (ebenfalls) unsicher ist, der findet auf der Seite der „Deutschen AIDS-Hilfe“ eine sehr umfangreiche und leicht verständliche Dokumentation zum Thema.
Auch der Landesbeauftragte für den Datenschutz in Niedersachsen bietet eine umfangreiche FAQ